Die Centauri Chroniken

Und so wies ihn der HERR fort aus dem Garten Eden. Er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim und ein Flammenschwert, dass sich in alle Richtungen drehte, um den Weg zu dem Lebensbaum zu bewachen.

-- Die Konklaven-Bibel, Datalinks

Zum Ende der 2020er Jahre geriet die Welt endgültig ins Chaos. Der Klimawandel und die Verknappung der Süßwasservorräte hatten verheerende Auswirkungen auf landwirtschaftliche Regionen weltweit, während jahrzehntelange Überfischung die Fischbestände der Welt nahezu ausgerottet hatte. Selbst die führenden Industriestaaten waren mit einer zunehmenden Nahrungsmittelknappheit konfrontiert. Die schwierige Lage führte weltweit zu Unruhen und destabilisierte die ohnehin angespannte globale politische Lage im rasanten Tempo.

In den USA gewannen christlichen Sekten, wie das "Evangelische Feuer" endgültig einen bestimmenden Einfluss auf die Regierung und das gesellschaftliche Leben. Während der Neo-Kreuzzüge im Jahr 2031 wurden nahezu alle Ölfelder im nahen und mittleren Osten in Brand geschossen, was einen Großteil der globalen Öl- und Gasreserven vernichtete und die Verschmutzung der Atmosphäre auf ein bislang unvorstellbares Maß anwachsen ließ.

Doch gab es zwischen all den Katastrophen auch kurze Lichtblicke. So gelang 2032 Wissenschaftlern von Morgan Industries die Entwicklung einer praktisch einsetzbaren Technik, mit der Menschen auf unbestimmte Zeit in Kryostase versetzt und später wiederbelebt werden konnten. Zahlreiche reiche Menschen waren bereit jeden Preis zu zahlen, in der Hoffnung diese Episode des Chaos überbrücken zu können und trugen so dazu bei, dass das einstige Rohstoff- und Rüstungsunternehmen zum global größten Industrie- und Technologiekonzern aufstieg und seinen CEO Nwabudike Morgan zum reichsten Menschen des Planeten machte. Im selben Jahr machte die Europäische Raumfahrtbehörde zudem die bahnbrechende Entdeckung, dass sich im benachbarten Alpha Centauri System ein erdähnlicher Planet befindet. Der Planet wurde von seinen Entdeckern "Chiron" genannt. Erste Überlegungen einer möglichen Kolonisierungsmission kamen auf und diverse Staaten begannen mit der Entwicklung von möglichen Konzepten.

Die globale Erwärmung überschritt derweil die Marke von drei Grad Celsius. Ein Abschmelzen der Polkappen führte zu weitreichenden Überschwemmungen von Inseln und Küstengebieten. Ein Großteil der seriösen Wissenschaft war sich einig, dass die Erde in etwa 100 Jahren für Menschen unbewohnbar sein würde und der Prozess nicht mehr aufhaltbar sei.

Im Jahr 2033 verursachte eine kritische Fehlfunktion bei K.I.-Systemen, die im Bereich der militärischen Frühwarnung eingesetzt wurden, den sogenannten 12-Minuten-Krieg zwischen der NATO, Japan, Südkorea, Russland, Nordkorea und China. Teile Osteuropas, Russlands und Japans wurden nuklear verseucht, bevor es Menschen gelang, die Systeme abzuschalten und den Krieg zu stoppen. Die Ursache für die Fehlfunktion blieb trotz aller Bemühungen ungeklärt.

Die Ereignisse führten im Anschluss zu einer einstimmigen Erweiterung der U.N.-Charta um eine weltweite Ächtung von Nuklearwaffen und verlangsamte auch die weitere Nutzung von K.I. vorerst weitgehend. Den Vereinten Nationen gelang angesichts der nicht mehr ignorierbaren globalen Probleme und der Schwächung der einstigen Großmächte durch den letzten Krieg eine grundlegende Reform und Stärkung ihrer Institution. Unter anderem verloren die Mitglieder im Sicherheitsrat ihr Veto-Recht und die UN erhielten endlich eine eigenständige Finanzierung sowie unabhängige bewaffnete Streitkräfte zur Friedenssicherung.
Aufgrund des irreversiblen Zustands der Erde und gestärkt durch die Reform riefen die Vereinten Nationen das "Unity"-Projekt ins Leben. Es sah den Bau eines Kolonisierungsschiffs und eine Besiedlung des Planten Chiron vor. Für die Dauer der 40-jährigen Reise war eine Kryostase der kompletten Besatzung geplant.

Anfang 2035 begann der Bau der Unity. Leitender Wissenschaftler für die Konstruktion wurde Prokhor Zakharov, der auch die theoretischen Grundlagen für den neuartigen Bussard-Staustrahlantrieb entworfen hatte. Der Bau des Raumschiffs war eine globale Kraftanstrengung, wobei Morgan Industries die führende Rolle einnahm und auch einen bedeutenden Anteil der Finanzierung stellte. Die Konzentration nahezu aller Ressourcen der Menschheit auf dieses Projekt, um einigen wenigen tausend Menschen eine Flucht zu ermöglichen, während Milliarden auf der sterbenden Erde zurückbleiben sollten, war jedoch nicht unumstritten. Weltweit gab es Proteste und diverse radikale Splittergruppen versuchten, den Bau zu sabotieren. Am 14.09.2046 begann die Unity dann endlich ihre Reise in das Alpha-Centauri-System unter dem Kommando von Kapitän John Garland. Das Raumschiff startete mit einem 5,3-stündigen Beschleunigungsschub, nach dem es sich fast eine Million Meilen von der Erde entfernt befand und mit über 100 Meilen pro Sekunde flog. Bei dieser Geschwindigkeit konnte das Schiff seinen Bussard-Staustrahltriebwerk zünden und das dünne Wasserstoffgas des Weltraums als Treibstoff nutzen. Die zweite Beschleunigungsphase erfolgte mithilfe des Staustrahltriebwerks und dauerte über ein Jahr, wodurch das Schiff seine Reisegeschwindigkeit von etwa 11 % der Lichtgeschwindigkeit erreichte.

Der Missionsplan sah eine Wende im interstellaren Raum vor, gefolgt von einer langsamen Abbremsung unter Nutzung der Staustrahl-Scoop-Felder, um gegen das interstellare Medium zu „bremsen“. Der endgültige Eintritt in das Alpha-Centauri-System und der Eintritt in die Chiron-Umlaufbahn sollte mithilfe der Fusionsraketen erfolgen.